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Erscheinung

2026-08-31

Kategorie
Pressemitteilung
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Nürnberg
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Rentenreform überzeugt die Deutschen bislang nicht

Nur wenige erwarten eine bessere Absicherung – höhere Rentenbeiträge könnten den privaten Konsum bremsen

Das von der Bundesregierung angekündigte Rentenreformpaket stößt in der Bevölkerung bislang auf große Skepsis. Nur 12 Prozent erwarten dadurch eine bessere persönliche Absicherung; lediglich 17 Prozent glauben, dass sich das Rentensystem insgesamt verbessert. Das zeigt eine aktuelle Studie des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM). Falls die Rentenbeiträge steigen, würden 35 Prozent der Befragten ihren Konsum reduzieren oder bei anderen Ausgaben sparen.

Dabei ist die finanzielle Sicherheit im Ruhestand für das persönliche Wohlbefinden und die Konsumneigung besonders bedeutsam: Das Gefühl, dass die staatliche Rente für ein gutes Leben im Alter ausreicht, ist unter den untersuchten finanziellen Faktoren der wichtigste Faktor für die Lebenszufriedenheit. Neben einem verfügbaren Notgroschen zählt es zudem zu den wichtigsten Faktoren für die Anschaffungsneigung.

Vertrauen in die gesetzliche Rente ist gering

Nur 19 Prozent der Menschen in Deutschland sind zuversichtlich, allein mit der gesetzlichen Rente komfortabel leben zu können. 57 Prozent sind dagegen nicht zuversichtlich. In den USA fällt der Anteil der Zuversichtlichen mit 34 Prozent doppelt so hoch aus – obwohl die Armutsgefährdungsquote der über 65-Jährigen dort laut OECD höher ist. In Deutschland ist die Zuversicht insbesondere bei den 18- bis 29-Jährigen und den 50- bis 59-Jährigen gering; Frauen zeigen sich häufiger verunsichert als Männer.

Gesamtpaket wird kritisch bewertet

Auch die Erwartungen an die Reform bleiben niedrig. Neben den 12 Prozent, die mit einer besseren persönlichen Absicherung rechnen, erwarten nur 15 Prozent eine bessere Finanzierbarkeit des Rentensystems. Einzelne Reformbausteine werden allerdings sehr unterschiedlich beurteilt: 68 Prozent unterstützen eine Erweiterung des Kreises der Beitragszahler. Die neue Kapitalsäule findet 31 Prozent Zustimmung und polarisiert damit. Eine schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters befürworten lediglich 16 Prozent.

Informierte Befragte beurteilen die Reform positiver

Wer sich nach eigener Einschätzung gut mit der Reform auskennt, bewertet das Paket deutlich positiver. Von diesen Befragten erwarten 24 Prozent eine bessere persönliche Absicherung; unter denjenigen, die sich nicht gut auskennen, sind es nur 3 Prozent. Auch bei der erwarteten Verbesserung des Rentensystems (35 gegenüber 9 Prozent) und seiner Finanzierbarkeit (32 gegenüber 5 Prozent) zeigen sich große Unterschiede. Insgesamt sagen jedoch nur 27 Prozent, dass sie mit dem Reformpaket vertraut sind.

„Die Ergebnisse zeigen, wie groß der Informationsbedarf bei der Rentenreform ist. Wer sich mit dem Paket vertraut fühlt, beurteilt es zwar deutlich positiver. Der Zusammenhang darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass selbst unter den gut Informierten weniger als die Hälfte von den Reformen überzeugt ist. Verständliche, zielgruppenspezifische Informationen sind daher wichtig – sie ersetzen jedoch keine nachvollziehbare Antwort auf die Frage, wie unterschiedliche Bevölkerungsgruppen im Alter ausreichend abgesichert werden können“, sagt Dr. Katharina Gangl, Direktorin am NIM.

Höhere Beiträge könnten den Konsum zusätzlich dämpfen

„Diese Kombination aus Gesundheitsorientierung und Hedonismus deutet auf einen möglichen Entwicklungspfad hin: Gesundheit soll sich möglichst nahtlos in den Alltag integrieren, ohne als Einschränkung wahrgenommen zu werden. Technologische Lösungen könnten dabei künftig eine Schlüsselrolle spielen“, sagt Dr. Fabian Buder, Head of Marketing & Consumer Behavior am NIM.

Sollten die Rentenbeiträge durch die Einführung einer neuen Kapitalsäule absehbar steigen und dadurch weniger Geld zur freien Verfügung stehen, würden 35 Prozent ihren Konsum reduzieren oder bei anderen Ausgaben sparen. Nur 16 Prozent würden stattdessen weniger privat für das Alter vorsorgen. Aus Sicht der Forschenden sollte die Politik mögliche Konsumwirkungen höherer Beiträge deshalb mitdenken. Begleitende Entlastungen an anderer Stelle könnten helfen, eine zusätzliche Dämpfung des privaten Konsums zu begrenzen.

Zur Studie
Die Studie basiert auf zwei repräsentativen Befragungen. Für die erste Untersuchung wurden 3.422 Personen in Deutschland und 3.429 Personen in den USA ab 18 Jahren befragt. Die Stichproben sind nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region und Einkommen repräsentativ. Die Erhebung erfolgte über das YouGov Panel vom 20. Mai bis 13. Juni 2026 in Deutschland und bis 15. Juni 2026 in den USA. Für die zweite Befragung zur Bewertung der Rentenreform wurden vom 2. bis 6. Juli 2026 über den NIQ eBUS® 1.000 Männer und Frauen zwischen 18 und 74 Jahren befragt. Diese Stichprobe ist repräsentativ für die deutschsprachige Wohnbevölkerung dieser Altersgruppe.


Über das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen e. V. 
Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) ist ein unabhängiges außeruniversitäres Wirtschaftsforschungsinstitut. Wir untersuchen das Konsumklima und den Konsum als gestaltende Kraft der Wirtschaft. Auf Basis wissenschaftlicher Exzellenz formulieren wir konkrete Empfehlungen, damit Politik und Gesellschaft bessere Entscheidungen treffen können. Wir finanzieren unsere Forschung aus eigenen Mitteln.

Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen ist Gründer der GfK. 
Weitere Informationen unter www.nim.org und LinkedIn.


Bei Fragen und für weitere Informationen zur Presseinformation wenden Sie sich bitte an:

Florian Ritter
Research Communication Specialist
Nürnberg Institut für Marktentscheidungen e. V.
Gründer der GfK
Steinstr. 21 / 90419 Nürnberg 
T: +49 911 951519-76 / E: communication@nim.org  

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