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Recht auf Reparatur: Studie sieht Fortschritte – aber auch klare Grenzen
Ende Juni entscheidet der Deutsche Bundestag über die Umsetzung des EU‑Rechts auf Reparatur. Eine neue Studie des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) kommt diesbezüglich zu einer differenzierten Einschätzung: Das Gesetz kann die Rahmenbedingungen für Reparaturen verbessern – wird die Reparaturkultur in Deutschland allein aber nicht entscheidend verändern. Hintergrund ist, dass die zentralen Treiber für Reparaturen nur teilweise durch die neuen Regelungen adressiert werden.
Die Studie des NIM zeigt, unter welchen Bedingungen sich Menschen tatsächlich für eine Reparatur entscheiden. Besonders relevant ist, ob sie ein Gerät selbst reparieren können, ob die Kosten durch Garantien oder Versicherungen abgedeckt sind, ob die Reparatur nicht mehr als etwa 20 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises kostet und ob das Produkt aus Sicht der Nutzer seine erwartete Lebensdauer noch nicht erreicht hat.
Vor diesem Hintergrund fällt die Bewertung des neuen Rechts gemischt aus. Positiv ist aus Sicht der Studienautoren die bessere Verfügbarkeit von Ersatzteilen sowie die geplante Verlängerung der Gewährleistungsfrist nach einer Reparatur. Dadurch könnten Reparaturen einfacher und attraktiver werden. Unklar bleibt jedoch, inwiefern sich dadurch Reparaturkosten spürbar senken oder Selbstreparaturen erleichtern lassen. Zudem wirkt die verlängerte Gewährleistung erst dann, wenn sich Verbraucher bereits für eine Reparatur entschieden haben.
Gleichzeitig bleiben zentrale Hürden bestehen. Insbesondere die relative Preisgrenze von maximal 20 Prozent, die viele Verbraucher bei Reparaturen ziehen, sowie die anvisierte Lebensdauer von Produkten werden durch das Gesetz kurzfristig kaum beeinflusst. „Damit greift das Gesetz an wichtigen Stellschrauben nur indirekt oder gar nicht ein“, ordnet Dr. Katharina, Direktorin am NIM, die Ergebnisse ein. Darüber hinaus sei mit dem neuen Recht kurzfristig auch ein Risiko verbunden: So zeigt die Studie, dass das „Recht auf Reparatur“ in der Bevölkerung noch nicht vollständig verstanden wird. Viele erwarten, dass Händler zur Reparatur verpflichtet sind oder Reparaturen kostenlos werden. Diese Fehlvorstellungen könnten zunächst sogar zu Konflikten im Handel führen.
Wie ließe sich die Reparaturkultur in Deutschland verbessern? Insgesamt attestiert die Studie erhebliches Potenzial für mehr Reparaturen. So befürworten viele Verbraucher reparierbare Produkte, berücksichtigen dies beim Kauf aktuell jedoch kaum. Wird Reparierbarkeit besser sichtbar gemacht, verändert sich das Verhalten aber deutlich: In einem Experiment, das im Rahmen der Studie durchgeführt wurde, entschieden sich 65 Prozent der Befragten für ein Produkt mit besserer Reparierbarkeit.
Ein zentraler Hebel liegt demnach in besserer Information. Seit 2025 ist die Reparierbarkeit von Smartphones und Tablets verpflichtend zu kennzeichnen – im Alltag wird diese Information bislang jedoch kaum wahrgenommen. Sinnvoll wäre eine Ausweitung des Labels sowie eine bessere Platzierung durch den Handel. Für diesen könnten durch eine Verknüpfung des Labels mit Garantie- und Serviceangeboten neue Geschäftsmodelle entstehen. Da Garantien ein wichtiger Treiber für Reparaturen sind, ließen sich so Anreize gleichzeitig gezielt stärken.
Auch Politik und Hersteller können beitragen. Klare Rahmenbedingungen für Garantien würden Orientierung schaffen. Bildungsmaßnahmen könnten langfristig technische Kompetenzen fördern. Hersteller hochwertiger Produkte wiederum erhöhen die Bereitschaft zur Reparatur, wenn sie ihre Qualitätsversprechen durch verlässliche Serviceangebote untermauern.
„Das Recht auf Reparatur ist ein wichtiger Schritt“, sagt Gangl. „Damit sich die Reparaturkultur spürbar verändert, müssen vor allem die wirtschaftlichen und praktischen Hürden im Alltag adressiert werden.“
Für die Studie „Das Recht auf Reparatur im Realitätscheck“ hat das NIM im Frühjahr 2026 eine repräsentative Befragung von 3.500 Personen in Deutschland durchgeführt. Umgesetzt wurde die Befragung über den NIQ eBUS®. Untersucht wurden Einstellungen, Verhalten und Hürden rund um die Reparatur von Elektrogeräten sowie die Wahrnehmung neuer politischer Rahmenbedingungen.
Über das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen e. V.
Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) ist ein unabhängiges außeruniversitäres Wirtschaftsforschungsinstitut. Wir untersuchen das Konsumklima und den Konsum als gestaltende Kraft der Wirtschaft. Auf Basis wissenschaftlicher Exzellenz formulieren wir konkrete Empfehlungen, damit Politik und Gesellschaft bessere Entscheidungen treffen können. Wir finanzieren unsere Forschung aus eigenen Mitteln.
Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen ist Gründer der GfK.
Weitere Informationen unter www.nim.org und LinkedIn.
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