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Wirtschaftsforscherin Gangl: Erhöhung der Mehrwertsteuer wäre Sargnagel für privaten Konsum
Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland bleibt schwach. Um ihr neuen Schwung zu verleihen, wird in der politischen Debatte unter anderem diskutiert, die Mehrwertsteuer zu erhöhen, um die Einkommensteuer zu senken. Ziel ist es, Arbeitsanreize zu stärken und gleichzeitig staatliche Einnahmen zu sichern. Eine neue Studie des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) zeigt jedoch: Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wäre der Sargnagel für den privaten Konsum in Deutschland. Das gilt selbst dann, wenn diese mit einer Entlastung bei der Einkommensteuer einhergeht.
In der repräsentativen Studie wurde den Teilnehmern ein Szenario vorgelegt, bei dem die Einkommensteuer um 100 Euro pro Monat gesenkt wird, und gleichzeitig zusätzliche Kosten von 40 Euro monatlich durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer entstehen. Nur jede vierte befragte Person beurteilt eine solche Reform positiv. Besonders groß ist die Ablehnung bei Älteren und Personen mit niedrigem Einkommen. Aber selbst Personen mit höherem Einkommen lehnen diese Vorschläge eher ab.
Die Ablehnung spiegelt sich auch in den Konsumabsichten wider: Sollte die Reform umgesetzt werden, erwarten viele Befragte Einschränkungen beim eigenen Kaufverhalten. So würde eine solche Reform bei mehr als der Hälfte der Befragten den Konsum nicht ankurbeln, sondern sogar die Sparneigung erhöhen. Lediglich 5 Prozent geben an, durch das unter dem Strich höhere Einkommen zu mehr Konsum motiviert zu werden.
„Viele Menschen nehmen steigende Preise im Alltag unmittelbar wahr und reagieren sensibel darauf – deutlich stärker als auf zusätzliche Einkommensspielräume", erklärt Studienleiterin Dr. Katharina Gangl vom NIM, und fügt an: „Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wäre in der aktuellen Situation der Sargnagel für den privaten Konsum in Deutschland. Das gilt selbst dann, wenn diese mit einer Entlastung bei der Einkommensteuer einhergeht." Vor einer solchen Entwicklung sei zu warnen, insbesondere da vom Export angesichts von Zöllen und zunehmender Regionalisierung mittelfristig kaum Impulse zu erwarten sind.
Um den Binnenkonsum zu stärken, müssten Verbraucherinnen und Verbraucher ein klares Signal der Entlastung erhalten – etwa durch niedrigere Steuern oder strukturell sinkende Energiepreise, die nicht auf Subventionen beruhen, sondern auf einem höheren Energieangebot – und ohne neue Belastungen an anderer Stelle. „Reine Umschichtungen nach dem Prinzip „linke Tasche, rechte Tasche“ erzeugen in der aktuellen Situation offenbar keine Aufbruchstimmung mehr“, meint Dr. Gangl.
Studie und Fragebogen wurden vom NIM konzipiert. Erhoben wurden die Daten über den NIQ eBUS®. Dafür wurden vom 30. April bis 4. Mai insgesamt 1.005 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren befragt, die die deutsche Bevölkerung repräsentieren.
Über das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen e. V.
Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) ist ein unabhängiges außeruniversitäres Wirtschaftsforschungsinstitut. Wir untersuchen das Konsumklima und den Konsum als gestaltende Kraft der Wirtschaft. Auf Basis wissenschaftlicher Exzellenz formulieren wir konkrete Empfehlungen, damit Politik und Gesellschaft bessere Entscheidungen treffen können. Wir finanzieren unsere Forschung aus eigenen Mitteln.
Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen ist Gründer der GfK.
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