Studie
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Gangl, K., & Ritter, F. (2026). Haben Spielzeuggeschäfte eine Zukunft? Konkurrenz im stationären Handel und der Einfluss globaler Onlineplattformen. NIMpulse 16
2026
Florian Ritter
Haben Spielzeuggeschäfte eine Zukunft?

Hintergrund der Studie
Der Spielzeugmarkt befindet sich im Wandel. Neben dem klassischen stationären Handel gewinnt der Onlinehandel seit Jahren zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig drängen neue internationale Plattformen, insbesondere aus China, verstärkt auf den europäischen Markt und werben mit günstigen Preisen, großer Produktauswahl und direkter Lieferung an Verbraucherinnen und Verbraucher.
Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Studie, wo Menschen in Deutschland Spielzeug bevorzugt kaufen, im stationären Handel oder online. Darüber hinaus wird analysiert, wie Verbraucherinnen und Verbraucher zu neuen chinesischen Onlineplattformen stehen und inwieweit diese Plattformen bereits Teil ihrer Einkaufsroutine sind. Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu gewinnen, wie sich der Spielzeugkauf im Zuge der zunehmenden Digitalisierung und Internationalisierung des Handels verändert.
Dafür wurden vom Nürnberg Institut für Marktentscheidungen e.V. (NIM) im Februar und März 2026 repräsentativ erwachsene Personen in Deutschland befragt.
Wo kaufen die Deutschen ihr Spielzeug?
Aktuell kaufen noch 63 Prozent der Deutschen Spielzeug im Geschäft, wobei die Fachgeschäfte am beliebtesten sind mit 24 Prozent. Es gibt aber viele ähnlich beliebte Alternativen wie Warenhäuser, Discounter oder Verbrauchermärkte, die den Fachgeschäften Konkurrenz machen.
Häufiger als im Laden greifen Deutsche bei Spielzeug online zu. 74 Prozent haben zuletzt dort Spielzeug bestellt, die große Mehrheit davon über Amazon (56%). Mit großem Abstand folgen Ebay und Otto, erst danach die Websites der Fachhändler. Genauso oft wie dort kaufen Deutsche inzwischen auch bei dem chinesischen Online-Händler Temu ein.
Was motiviert zum Kauf im Spielzeuggeschäft?
Die Menschen in Deutschland schätzen an Spielzeuggeschäften vor allem, dass die Kinder direkt vor Ort neue Spielsachen entdecken und anfassen bzw. ausprobieren können. 17 Prozent setzen darauf, dass Preise im Geschäft günstiger sind als online. Soziale Events, Feste und die Möglichkeit, andere zum Spielen zu treffen, motivieren hingegen nur wenige Menschen in ein Spielzeuggeschäft zu gehen.
Im Laufe der Befragung wurden insgesamt 26 Fragen zum Spielzeugkauf und zum Spielverhalten auf ihren Zusammenhang mit der Frage überprüft, ob die Deutschen Spielzeug vor Ort kaufen. Bei zwei Fragen konnte ein signifikanter Zusammenhang festgestellt werden: Wer angibt, lieber in den Laden zu gehen, weil man Spielzeug dort direkt mitnehmen kann und wer mit seinen Kindern gerne Fangen und Verstecken spielt, kauft auch eher sein Spielzeug vor Ort.
Wie blickt die Bevölkerung auf die neuen chinesischen Online-Plattformen und die Kritik von Verbraucherschützern?
43 Prozent der Deutschen wollen wegen Kritik kein Spielzeug bei chinesischen Onlineplattformen kaufen. 23 Prozent sehen die Kritik zwar, denken aber, dass man Kompromisse aus finanziellen Gründen machen muss. Jeder Dritte verlässt sich bei der Bewertung von Produkten lieber auf sein eigenes Urteil; jeder Vierte sagt, dass die Kritik keinerlei Einfluss auf seine Entscheidung hat. Ebenfalls jeder Vierte sagt, dass er bei Mängeln einfach sein Rückgaberecht nutzen würde.
KEY INSIGHTS
Unsere Ergebnisse zeigen: Spielzeuggeschäfte haben auch in Zukunft eine Rolle – aber ihre Position wird zunehmend herausfordernd.
Zwar kaufen mittlerweile mehr Menschen in Deutschland Spielzeug online, insbesondere über Amazon, dennoch bleibt der stationäre Handel für viele relevant. Rund zwei Drittel der Befragten geben an, weiterhin im Geschäft einzukaufen. Vor allem die unmittelbare Verfügbarkeit der Produkte sowie die Möglichkeit für Kinder, Spielzeug vor Ort zu entdecken und auszuprobieren, sprechen für das Fachgeschäft. Diese Stärken sichern dem stationären Handel auch künftig eine gewisse Bedeutung.
Gleichzeitig nimmt der Wettbewerbsdruck deutlich zu. Neben der Konkurrenz durch andere stationäre Anbieter wächst vor allem der Einfluss großer Onlineplattformen. Konsumentinnen und Konsumenten schätzen dort insbesondere die Bequemlichkeit, die große Auswahl und einfache Rückgabemöglichkeiten. Neben Amazon gewinnen auch chinesische Plattformen wie Temu und Shein an Bedeutung, auch wenn ihnen viele weiterhin mit Skepsis begegnen.
Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass Spielzeuggeschäfte nicht verschwinden, ihre Zahl jedoch weiter zurückgehen dürfte. Die Zukunft des stationären Handels liegt weniger in der reinen Versorgung als vielmehr in seinen spezifischen Stärken – etwa im Einkaufserlebnis und der direkten Produktverfügbarkeit. Angesichts des anhaltend hohen Wettbewerbsdrucks ist jedoch davon auszugehen, dass sich der Strukturwandel im Spielzeugmarkt zunächst fortsetzt.
Studie und Fragebogen wurden vom NIM konzipiert. Erhoben wurden die Daten über den NIQ eBUS®. Dafür wurden vom 26. Februar bis 2. März insgesamt 1.009 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren befragt, die die deutsche Bevölkerung repräsentieren.
Autorinnen und Autoren
- PD Dr. Katharina Gangl, Direktorin Studien, NIM, katharina.gangl@nim.org
- Florian Ritter, Research Communication Specialist, NIM, florian.ritter@nim.org
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