Studie
Download
Zürn, M., & Ritter, F. (2026). Auf dem Weg zur Wärmewende? Eine Studie zur Entwicklung des Heizungsmarktes und zur Akzeptanz des geplanten Gebäudemodernisierungsgesetzes. NIMpulse 22
2026
Dr. Michael K. Zürn
Auf dem Weg zur Wärmewende?

Hintergrund der Studie
Der Heizungsmarkt in Deutschland befindet sich im Wandel. Steigende Energiepreise, klimapolitische Zielsetzungen und neue gesetzliche Vorgaben beeinflussen die Entscheidungen von Verbraucherinnen und Verbrauchern rund um die Wärmeversorgung ihrer Gebäude. Mit dem geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz sollen die Rahmenbedingungen das Heizen erneut angepasst werden.
Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Studie, welche Heizsysteme Menschen in Deutschland derzeit nutzen und welche Heizungen sie sich für die Zukunft wünschen. Darüber hinaus wird analysiert, wie Verbraucherinnen und Verbraucher auf die geplanten Änderungen durch das Gebäudemodernisierungsgesetzes blicken. Da eine vergleichbare Befragung bereits im Jahr 2024 durchgeführt wurde, können Veränderungen bei der Verbreitung von Heiztechnologien und den Präferenzen der Bevölkerung über die Zeit betrachtet werden.
Dafür wurden vom Nürnberg Institut für Marktentscheidungen e.V. (NIM) im März und Juni 2026 repräsentativ erwachsene Personen in Deutschland befragt.
Wie heizen die Deutschen?
Die Immobilienbesitzer in Deutschland heizen noch immer zu großen Teilen mit fossilen Öl- und Gasheizungen, wobei der Anteil der Gasheizungen in den letzten zwei Jahren leicht abgenommen hat. Der Anteil der verbauten Wärmepumpen ist im Vergleich zu 2024 kaum gestiegen, Fernwärme etwas stärker.
Bei neuen Heizungen ist der Anteil der Ölheizungen deutlich niedriger als im Gesamtvergleich, der Wärmepumpenanteil ist hingegen höher.
Welchen Heizungstyp bevorzugen die Deutschen?
Was die Wunschheizung angeht, haben die Immobilienbesitzer in Deutschland heute eine deutlich stärkere Präferenz als noch im Jahr 2024. Gestiegen ist vor allem die Beliebtheit der Wärmepumpe, die weiterhin die beliebteste Wunschheizung der Immobilienbesitzer bleibt. Gasheizungen wollen nur noch 16 Prozent, Ölheizungen werden von 7 Prozent gewünscht, etwas weniger als noch im Jahr 2024.
Wie häufig wollen Heizungsbesitzer beim nächsten Wechsel wieder zur gleichen Heizung greifen?
Heizungstypen, die ihre Besitzer besonders überzeugen, sind offenbar die Wärmepumpe, Fernwärme sowie Holz- oder Pelletheizung. Besitzer dieser Typen geben besonders häufig an, diese Heizung beim nächsten Tausch wieder wählen zu wollen.
Schlechter ist die Bilanz bei fossilen Heizungstypen. Besitzer von Gas- oder Ölheizungen wollen deutlich seltener beim nächsten Tausch wieder auf diesen Typ setzen. Im Vergleich zur Befragung 2024 deutlich gesunken ist die Heizungstreue zur Elektroheizung.
Wie blicken die Deutschen auf das Gebäudemodernisierungsgesetz?
Im März 2026, als das Gebäudemodernisierungsgesetz vorgestellt worden war, fanden Immobilienbesitzer das Vorhaben überwiegend positiv (36% Zustimmung). Mieter sahen das Vorhaben dagegen weniger positiv (24%).
Bis Juni 2026 hat sich dieses Bild gewandelt. Zu diesem Zeitpunkt sank die Zustimmung bei Besitzern auf 21 Prozent, der Anteil der Kritiker stieg von 25 Prozent auf 39 Prozent. Bei Mietern hat sich die Bewertung zwischen März und Juni kaum geändert, hier bleibt eine kleine Mehrheit negativ.
Unabhängig davon, wie positiv die Befragten das neue Gebäudemodernisierungsgesetz sehen: Nur 12 Prozent der Deutschen halten das Gesetz für sorgfältig ausgearbeitet.
Insgesamt 47 Prozent sagen hingegen, dass das Gesetz unsorgfältig oder sogar sehr unsorgfältig ausgearbeitet wurde.
Was glauben die Deutschen, wie sich ihre Heizkosten durch das neue Gesetz verändern werden?
Die Deutschen rechnen damit, dass ihre Heizkosten durch das neue Gesetz eher steigen werden, im März glaubten dies 41 Prozent der Immobilienbesitzer und 45 Prozent der Mieter.
Im parlamentarischen Verfahren wurde das Gesetz dahingehend geändert, dass zukünftig Vermieter, die eine neue Öl- oder Gasheizung einbauen, teilweise die Heizkosten übernehmen müssen. Womöglich infolgedessen ist der Anteil der Mieter, die eine Preissteigerung fürchten, von März (45%) bis Juni (40%) gesunken, während er bei Besitzern gleich geblieben ist.
Dr. Michael Zürn:
Die Wärmewende im Gebäudebereich kommt voran.
Zwar ist der Anteil von Wärmepumpen im Heizungsbestand seit 2024 nur leicht gestiegen, bei den Präferenzen der Verbraucherinnen und Verbraucher zeigt sich jedoch eine deutlichere Entwicklung. Mehr Menschen als noch vor zwei Jahren wünschen sich eine Wärmepumpe als nächste Heizung, während Öl- und Gasheizungen bei Neuinstallationen an Bedeutung verlieren. Gleichzeitig weist die Wärmepumpe weiterhin die mit Abstand höchste Heizungstreue auf: Wer bereits eine Wärmepumpe besitzt, würde sich beim nächsten Heizungswechsel besonders häufig erneut für diesen Heizungstyp entscheiden. Auch die Bereitschaft, einen Heizungswechsel zumindest zu planen, ist gegenüber 2024 gestiegen.
Insgesamt deuten die Ergebnisse auf einen anhaltenden Wandel im Heizungsmarkt hin. Die Richtung ist jedoch klar: Verbraucherinnen und Verbraucher orientieren sich zunehmend an Wärmepumpen und teilweise auch an Fernwärme, während fossile Heizsysteme an Attraktivität verlieren.
Deutlich kritischer fällt dagegen die Bewertung des geplanten Gebäudemodernisierungsgesetzes aus. Die Zustimmung zum Gesetzesentwurf ist seit seiner Vorstellung spürbar zurückgegangen, während viele Menschen mit steigenden Heizkosten rechnen. Zugleich hält nur eine kleine Minderheit den Entwurf für gut durchdacht, während deutlich mehr Befragte ihn als unsorgfältig ausgearbeitet ansehen. Sollte diese Skepsis anhalten, besteht die Gefahr, dass die Akzeptanz für weitere Maßnahmen im Gebäudesektor sinkt und der derzeitige Fortschritt der Wärmewende an Dynamik verliert.
Studie und Fragebogen wurden vom NIM konzipiert. Erhoben wurden die Daten über den NIQ eBUS®. Dafür wurden vom 28. Mai bis 1. Juni 2026 insgesamt 1.010 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren befragt, die die deutsche Bevölkerung repräsentieren.
Autorinnen und Autoren
- Florian Ritter, Research Communication Specialist, NIM, florian.ritter@nim.org
- Dr. Michael K. Zürn, Senior Researcher, NIM, michael.zuern@nim.org
Kontakt
