Studie
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Gangl, K., Goerg, S. J., & Ritter, F. (2026). Ist Deutschland in WM-Stimmung? Welche Konsumimpluse durch die Fußball-Wm 2026 zu erwarten sind. NIMpulse 21
2026
Prof. Dr. Sebastian J. Goerg,
Florian Ritter
Ist Deutschland in WM-Stimmung?

Hintergrund der Studie
Große internationale Sportereignisse ziehen regelmäßig die Aufmerksamkeit von Millionen Menschen auf sich und prägen nicht nur das Freizeitverhalten, sondern auch Konsum- und Ausgabenentscheidungen. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 bildet dabei keine Ausnahme und wird von vielen Fans in Deutschland mit Spannung erwartet.
Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende repräsentative Studie, ob und auf welche Weise Menschen in Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 verfolgen möchten. Darüber hinaus wird analysiert inwieweit die Weltmeisterschaft zusätzliche Konsumausgaben, etwa für Gastronomiebesuche, Fanartikel oder technische Geräte, auslösen könnte. Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu gewinnen, welche Bedeutung das Turnier für den Alltag und das Konsumverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher hat.
Dafür wurden vom Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) im Mai und Juni 1010 erwachsene Personen in Deutschland befragt.
Planen die Deutschen, die Fußball-WM 2026 zu schauen?
Nur knapp die Hälfte der Deutschen gibt an, dieses Jahr die WM live verfolgen zu wollen. Jeder Dritte ist sich hingegen sicher, dass er die WM nicht verfolgen wird.
Warum wollen manche Deutsche die WM nicht verfolgen?
Als Hauptgrund geben viele Deutsche an, kein Interesse an Fußball zu haben. Als nächsthäufigster Grund sagen 20 Prozent derer, die nicht schauen wollen, dass sie die WM aus politischen Gründen boykottieren wollen. Nur 13 Prozent gaben an, dass sie die ungünstigen Sendezeiten abhielten.
Wo wollen die Deutschen WM schauen?
Die Menschen in Deutschland wollen die WM bevorzugt in den eigenen vier Wänden schauen, dies gaben 92 Prozent der Befragten an, die zuschauen wollten. Auswärts schauen die Menschen am ehesten noch bei Bekannten oder Verwandten die Spiele.
Jeder dritte Deutsche, der die WM schauen will, könnte sich vorstellen, Spiele beim Public Viewing zu verfolgen und jeder Vierte möchte Spiele in Kneipen oder Restaurants schauen.
Wie wird die deutsche Nationalmannschaft abschneiden bei der WM?
Die meisten Deutschen rechnen damit, dass die deutsche Mannschaft zumindest die Gruppenphase übersteht. Das Erreichen des Viertelfinales wird als am wahrscheinlichsten angesehen, gefolgt von Halb- und Achtelfinale.
Nur 7 Prozent der Deutschen glauben hingegen, dass die Mannschaft das Finale erreicht oder schon in der Vorrunde scheitert und nur 4 Prozent glauben an den Titelgewinn.
Wollen die Deutschen während der WM mehr konsumieren?
Knapp jeder vierte Deutsche gibt an, während der WM häufiger daheim zu kochen oder zu grillen und häufiger Getränke wie Bier, Wein aufzutischen. Jeder Fünfte will häufiger Lieferdienste nutzen um z.B. Essen oder Lebensmittel zu bestellen. Etwas weniger (18 Prozent) gaben an, während der WM vermehrt Kneipen oder Restaurants zu besuchen.
Ebenfalls knapp jeder fünfte Deutsche will sich für die WM mit Fanartikeln wie Trikots, Fahnen etc. eindecken.
Weniger Deutsche wollen sich für die WM neue technische Geräte zum Fußballschauen anlegen, wie Fernseher, Beamer oder Audioequipment kaufen (10 Prozent) oder einen neuen Streamingdienst abonnieren (15 Prozent). Und vor Ort sein während der WM wollen nur 7 Prozent der Deutschen.
Wer wird mehr konsumieren?
In bestimmten demographischen Gruppen wird mehr Konsum während der WM geplant. Vor allem Menschen mit Kindern bis 15 Jahre geben überdurchschnittlich oft an, ihren Konsum steigern zu wollen. Ähnliches gilt für jüngere Menschen, vor allem in der Altersgruppe 30 bis 39 Jahre, sowie für Menschen mit mittlerem und höherem Einkommen.
KEY INSIGHTS
Unsere Ergebnisse zeigen: Das Interesse an der Fußball-WM 2026 ist verhältnismäßig gedämpft.
Nur etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung plant, das Turnier sicher oder wahrscheinlich zu verfolgen – ein ähnlich niedriger Wert wie bei der umstrittenen Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Neben fehlendem Interesse an Fußball als Hauptgrund spielen dabei auch politische Vorbehalte eine Rolle: Jeder Zwanzigste gibt an, die WM bewusst boykottieren zu wollen. Hinzu kommen eine fehlende Turnierstimmung und für manche ungünstige Übertragungszeiten.
Auch das gemeinsame Verfolgen der Spiele außerhalb der eigenen vier Wände dürfte begrenzt bleiben. Nur rund ein Drittel der Befragten plant, Spiele beim Public Viewing oder in der Gastronomie anzuschauen. Gleichzeitig sind die Erwartungen an die deutsche Nationalmannschaft eher verhalten: Die meisten rechnen mit einem Ausscheiden zwischen Achtel- und Halbfinale, während nur wenige von einem Titelgewinn ausgehen.
Die Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass von der Weltmeisterschaft nur begrenzte Konsumimpulse ausgehen werden. Zwar zeigen insbesondere Familien mit Kindern sowie Personen mittleren Alters und höheren Einkommens eine etwas höhere Bereitschaft, Geld für Fanartikel, neue Fernseher oder Gastronomiebesuche auszugeben. Insgesamt gibt jedoch bei allen abgefragten Konsumbereichen mindestens die Hälfte der Bevölkerung an, ihre Ausgaben nicht steigern zu wollen. Die WM dürfte damit für einzelne Verbrauchergruppen durchaus wirtschaftliche Impulse setzen, ein breiter konsumbezogener Effekt für die Gesamtbevölkerung ist jedoch nicht zu erwarten.
Studie und Fragebogen wurden vom NIM konzipiert. Erhoben wurden die Daten über den NIQ eBUS®. Dafür wurden vom 28. Mai bis 1. Juni insgesamt 1.010 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren befragt, die die deutsche Bevölkerung repräsentieren.
Autorinnen und Autoren
- PD Dr. Katharina Gangl, Direktorin Studien, NIM, katharina.gangl@nim.org
- Prof. Dr. Sebastian J. Goerg, Direktor Forschung, NIM, sebastian.goerg@nim.org
- Florian Ritter, Research Communication Specialist, NIM, florian.ritter@nim.org
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