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Ein Fünftel der Deutschen verzichtet auf bestimmte Produkte – aus Angst vor politischer Stigmatisierung
Rund 21 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland haben zuletzt bewusst auf den Kauf bestimmter Produkte verzichtet, weil sie nicht in eine politische Schublade gesteckt werden möchten. Das zeigt die neue repräsentative Studie des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) zum politischen Konsum in Deutschland.
„Dieser Befund zeigt klar die politische Aufladung von Konsum im Alltag“, sagt Studienleiter Dr. Fabian Buder. „Politischer Konsum zeigt sich nicht nur im Boykott oder darin, dass Menschen gerne solche Marken kaufen, die ihren eigenen Werten und Haltungen entsprechen. Auch die Sorge davor, wie andere sie aufgrund ihrer Produktwahl politisch einordnen, spielt eine überraschend große Rolle.“
Politischer Konsum ist kein Phänomen, das sich auf das progressive Spektrum beschränkt
Besonders ausgeprägt ist dieses Verhalten bei Jüngeren und wertorientierten Shoppern, bei Personen also, die grundsätzlich stärker auf soziale und ökologische Kriterien achten. Aber auch Menschen, die sich politisch eher konservativ einordnen, zeigen eine erhöhte Sensibilität: 25 Prozent von ihnen haben in jüngster Zeit eigenen Angaben zufolge Käufe vermieden, um nicht als politisch positioniert zu gelten. Die Daten legen nahe, dass politischer Konsum längst kein Phänomen mehr ist, das sich auf das politisch progressive Spektrum beschränkt.
Vor allem vegane Lebensmittel und E-Autos werden als politische Produkte angesehen
Doch welche Produktgruppen gelten eigentlich als politisch? Die Studie zeigt, dass derzeit konkret etwa E-Autos und vegane Lebensmittel dazu gezählt werden. Fast jeder zweite Befragte findet, dass Stromer, vegane Wurst, pflanzliche Milch und auch Lebensmittel in Bioqualität vor allem gekauft werden, um damit eine politische Botschaft zu senden. Im Gegensatz dazu werden Produkte, die bereits seit langer Zeit auf breiter Basis erhältlich sind, nur von sehr Wenigen als politisch wahrgenommen. Dazu gehören etwa Autos mit Verbrennermotor, Wurst aus Fleisch oder Kuhmilch.
Mehrheit sieht Politisierung des Konsums grundsätzlich kritisch
Insgesamt steht die Mehrheit der Befragten in Deutschland einer Politisierung des Konsums grundsätzlich kritisch gegenüber. 59 Prozent der Befragten finden, dass Konsum weniger politisch sein sollte. Und nur eine Minderheit begrüßt es, wenn Unternehmen sich aktiv zu politischen oder gesellschaftlichen Themen äußern. Diese kritische Grundhaltung dominiert insbesondere bei politisch Konservativen und bei Personen, die sich der politischen Mitte verbunden fühlen, was etwa zwei Drittel der Gesellschaft entspricht.
Buder meint: „Für Unternehmen, die ein breites Publikum erreichen wollen, gilt: Haltung ja – aber mit Maß und nur dort, wo sie glaubwürdig zur Marke passt. Gleichzeitig sollten sie darauf achten, dass neue Produkte gar nicht erst unter ‚Politikverdacht‘ geraten. Und wenn dies bereits der Fall ist, wie derzeit bei E‑Autos, empfehle ich Unternehmen und Politik, gemeinsam daran zu arbeiten, die Produkte aus der politischen Ecke herauszulösen und wieder stärker über ihre sachlichen Vorteile zu kommunizieren.“
Studie und Fragebogen wurden vom Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) konzipiert. Erhoben wurden die Daten über den NIQ eBUS®. Dafür wurden zwischen dem 28. August und dem 8. September 2025 insgesamt 2.009 erwachsene Personen in Deutschland befragt. Die Ergebnisse bieten einen umfassenden Einblick in die Wahrnehmung, Relevanz und Folgen politischen Konsums.
Über das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen e. V.
Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) ist eine Non-Profit-Organisation. Es untersucht an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis, wie sich Konsumentscheidungen durch neue Technologien oder gesellschaftliche Trends oder die Anwendung von Behavioral Science verändern und welche mikro- und makroökonomischen Auswirkungen das für den Markt und die Gesellschaft hat. Ein besseres Verständnis von Konsumentscheidungen und ihren Auswirkungen hilft Gesellschaft, Unternehmen, Politik und Konsumenten, bessere Entscheidungen im Sinne der sozial-ökologischen Marktwirtschaft und des „Wohlstands für Alle“ zu treffen.
Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen ist Gründer der GfK.
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