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Reform der privaten Altersvorsorge: Studie zeigt hohe Gefahr teurer Mitnahmeeffekte
Die geplante Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge wird voraussichtlich nicht die Menschen erreichen, die am dringendsten zusätzliche Vorsorge benötigen. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Studie des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM). Statt die gewünschte Breitenwirkung zu entfalten, dürfte die Reform vor allem Besserverdiener und bereits aktive Sparerinnen und Sparer ansprechen – und damit erhebliche Mitnahmeeffekte erzeugen.
Laut der Befragung bewerten knapp zwei Drittel der Bevölkerung eine Reform der bisherigen Riester-Rente grundsätzlich als notwendig, etwas mehr als die Hälfte findet die geplante Reform sinnvoll. Doch die tatsächliche Bereitschaft, ein neues gefördertes Produkt abzuschließen, ist ungleich verteilt: Vor allem Menschen mit hohem Einkommen und solche, die ohnehin sparen, geben an, ein solches Produkt nutzen oder bestehende Riester-Verträge übertragen zu wollen. Genau jene Gruppen, die also von staatlicher Förderung vergleichsweise gering abhängig sind, zeigen die höchste Abschlussbereitschaft.
Besonders deutlich wird: Ausgerechnet die Zielgruppe, die am dringendsten zusätzliche Vorsorge benötigt, fühlt sich von der Reform kaum angesprochen. Geringverdiener legen schon heute nur selten Geld fürs Alter zurück und geben überdurchschnittlich häufig an, auch künftig kein gefördertes Produkt nutzen zu wollen. Die Gründe liegen auf der Hand: Menschen mit niedrigem Einkommen, so die weit verbreitete Sicht in Deutschland, hätten kein Geld übrig, um etwas zurückzulegen. Diese fatalistische Ansicht vertritt jeder zweite Befragte. Die Höhe der staatlichen Förderung wird dagegen nicht als vorwiegendes Problem gesehen, nur jeder Fünfte berichtet über entsprechende Befürchtungen.
„Unsere Daten zeigen klar, dass besonders Besserverdiener und ohnehin vorsorgeaffine Menschen auf die Reform positiv reagieren“, erklärt Dr. Katharina Gangl, Direktorin Studien am NIM. „Geringverdiener hingegen bleiben außen vor. Die Förderung geht damit weitgehend an der Gruppe vorbei, die sie am dringendsten bräuchte.“
Konkret könnte eine zielgerichtete Reform beinhalten, dass für Geringverdiener automatisch Geld für das Alter veranlagt wird. Aus vielen Studien sei bekannt, dass insbesondere bestehende Ersparnisse weiteres Sparen motivieren. Das Erleben wachsender Ersparnisse in der privaten Altersvorsorge könnte für Geringverdiener dann einen Anreiz darstellen, selbst noch zusätzlich zu sparen.
„Außerdem sollte die staatlich geförderte private Altersvorsorge dafür genutzt werden, zielgerichteter das Aktienmarktsparen in der Bevölkerung zu fördern“, meint Gangl. Den Befragungsdaten zufolge würde sich aktuell nur eine kleine Minderheit für das renditeorientierte Modell entscheiden. „Niedrige Zinsen und kleine Renditen helfen den Sparern aber langfristig kaum weiter. Die staatlich geförderte private Altersvorsorge sollte so geändert werden, dass eine Sparkultur jenseits des Sparbuchs gefördert wird.“
Studie und Fragebogen wurden vom NIM konzipiert. Erhoben wurden die Daten über den NIQ eBUS®. Dafür wurden vom 12. März bis 16. März insgesamt 1.026 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren befragt, die die deutsche Bevölkerung repräsentieren.
Über das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen e. V.
Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) ist eine Non-Profit-Organisation. Es untersucht an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis, wie sich Konsumentscheidungen durch neue Technologien oder gesellschaftliche Trends oder die Anwendung von Behavioral Science verändern und welche mikro- und makroökonomischen Auswirkungen das für den Markt und die Gesellschaft hat. Ein besseres Verständnis von Konsumentscheidungen und ihren Auswirkungen hilft Gesellschaft, Unternehmen, Politik und Konsumenten, bessere Entscheidungen im Sinne der sozial-ökologischen Marktwirtschaft und des „Wohlstands für Alle“ zu treffen.
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