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Auf dem Weg zu einer neuen Vorsorgekultur? Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung zur Reform der privaten Altersvorsorge. NIMpulse 18 (PDF)
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Gangl, K., & Biró, T. (2026). Auf dem Weg zu einer neuen Vorsorgekultur? Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung zur Reform der privaten Altersvorsorge. NIMpulse 18

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Jahr

2026

Autorinnen und Autoren
PD Dr. Katharina Gangl,
Tobias Biró
Titel der Studie
Auf dem Weg zu einer neuen Vorsorgekultur?
Studientyp
NIMpulse
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Auf dem Weg zu einer neuen Vorsorgekultur?

Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung zur Reform der privaten Altersvorsorge

Hintergrund der Studie

Angesichts des demografischen Wandels und einer alternden Gesellschaft gerät das umlagefinanzierte Alterssicherungssystem in Deutschland zunehmend unter Druck. Mit einer Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge – bislang bekannt unter dem Namen Riester-Rente – möchte die Bundesregierung Anreize schaffen, damit mehr Menschen zusätzlich privat fürs Alter sparen. Zu diesem Zweck wurde ein Gesetzentwurf vorgelegt, der Ende Februar in erster Lesung im Bundestag diskutiert wurde. Im parlamentarischen Verfahren wurde dieser Entwurf noch angepasst, eine Entscheidung darüber ist Ende März 2026 geplant.

Für die vorliegende Studie des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) wurden repräsentativ ausgewählte Menschen in Deutschland befragt, was sie von der Reform halten und wie die neue Förderung ihre Vorsorgeentscheidungen beeinflussen könnte. Dafür wurden die Eckpunkte des Entwurfs aus der ersten Lesung genutzt. Da sich diese im parlamentarischen Verfahren zwar im Detail, jedoch nicht im Grundsatz geändert haben, sind die Ergebnisse der Befragung weiterhin relevant. 

Wie sorgen die Menschen in Deutschland aktuell für das Alter vor?

Aktuell sorgen 60 Prozent der Menschen in Deutschland privat für das Alter vor. Die beliebteste Anlageform sind Aktien, ETFs oder Fondssparpläne. Diese Instrumente nutzen derzeit 25 Prozent der Befragten. Es folgen Sparbuch, Tagesgeld und/oder Festgeld (24%) und betriebliche Vorsorge (20%). Knapp die Hälfte der Befragten legt ihr Geld sicherheitsorientiert an, rund ein Drittel nutzt renditeorientierte Anlagen. Rund 20 Prozent der Befragten verfügen trotz laufender Erwerbstätigkeit über keine private Altersvorsorge.

Männer sparen etwas häufiger als Frauen. Verhältnismäßig groß ist der Unterschied beim Sparen via Kapitalmarkt. Ältere sparen häufiger als Jüngere. Etwa jede dritte Person unter 30 Jahren gibt an, derzeit gar nicht privat vorzusorgen. Gleichzeitig sind junge Menschen unter 30 vergleichsweise häufig auf dem Kapitalmarkt unterwegs. Menschen mit höherem Einkommen sparen deutlich häufiger als solche mit niedrigem Einkommen. Jede dritte Person mit niedrigem Einkommen sorgt derzeit gar nicht privat vor.

Wer plant aktuell den Abschluss der neuen staatlich geförderten privaten Altersvorsorge?

Etwa zwei von drei Befragten halten eine Reform der Riester-Rente für notwendig. Noch gut die Hälfte findet die geplante Reform (Stand: Entwurf v. 11. Februar 2026) sinnvoll. Bereits heute gibt jede vierte Person an, ein solches Produkt abschließen oder bestehende Verträge übertragen zu wollen. Vor allem Gutverdiener und sparerfahrene Personen berichten über entsprechende Pläne. 

Unabhängig von der tatsächlichen Bereitschaft, eine staatlich geförderte private Altersvorsorge abzuschließen, würden die Menschen in Deutschland vor allem ein Modell wählen, das einen Kompromiss aus Sicherheit und Rendite darstellt (34%). Nur jeder Zehnte würde das Modell wählen, das die höchste Rendite ermöglicht. Höher ist der Anteil unter Jüngeren (21%). Insbesondere Geringverdiener geben an, gar kein staatlich gefördertes Altersvorsorgeprodukt zu wollen (21%) oder es nicht zu wissen (22%). 

Welche Kritik teilt die Bevölkerung an der neuen privaten Altersvorsorge?

Die am häufigsten geäußerte Kritik betrifft die Sorge, dass Geringverdiener kaum über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, um privat für das Alter vorzusorgen. Diese Ansicht vertritt jeder bzw. jede Zweite. 38 Prozent glauben, vor allem Besserdiener würden vom Angebot profitieren und fast ebenso viele (33%) sehen vor allem Anbieter als Gewinner. Weniger weit verbreitet ist etwa die Kritik an der mangelnden Flexibilität (14%) oder an der Förderhöhe (22%). 

Wie blickt die Bevölkerung auf die gesetzliche Rente?

Etwa jeder fünfte Befragte glaubt, dass ausschließlich die gesetzliche Rente ausreicht, um im Ruhestand ausreichend Geld zu haben. Verhältnismäßig weit verbreitet ist dieser Glaube unter jungen Erwachsenen (31%) und unter Besserverdienern (26%). Auch Personen, die schon privat vorsorgen, stimmen diesem Statement überraschend häufig zu. Interessanterweise glauben ausgerechnet jene, die nicht privat vorsorgen, am seltensten an die Auskömmlichkeit der gesetzlichen Rente. 

KEY INSIGHTS

Auch durch die Reform wird man voraussichtlich vor allem die Personen nicht zum Sparen motivieren können, die am ehesten darauf angewiesen wären. Geringverdiener, das bestätigt unsere Befragung deutlich, legen schon aktuell nur selten für das Alter zurück. Sie sind es auch, die am seltensten angeben, künftig ein staatlich gefördertes privates Modell besparen zu wollen. 

Die Gründe liegen auf der Hand: Geringverdiener, so die weit verbreitete Sicht in Deutschland, hätten kein Geld übrig, um etwas zurückzulegen. Darüber hinaus legt die Befragung auch offen, dass es vor allem Geringverdiener sind und Personen, die derzeit nicht sparen, die die geplante Reform weniger positiv beurteilen. Ganz anders Besserverdiener und Personen, die ohnehin schon vorsorgen. Hier ist die Offenheit für staatlich geförderte Produkte besonders hoch, für die öffentlichen Finanzen teure Mitnahmeeffekte programmiert. 

Besser angelegt wären die öffentlichen Mittel, wenn gezielt Geringverdiener in den Blick genommen werden, und für diese die Altersvorsorge stärker von öffentlichen Stellen organisiert wird. Zudem wäre eine gezielte Initiative zur Förderung finanzieller Bildung dringend erforderlich. Ein Baustein davon könnte sein, Sparern Informationen zum angesparten Betrag regelmäßig zu übermitteln, wodurch das Wissen zu Vorsorgeprodukten gefördert wird und die Motivation, auch selbst noch etwas extra anzusparen, gesteigert werden könnte.

Studie und Fragebogen wurden vom NIM konzipiert. Erhoben wurden die Daten über den NIQ eBUS®. Dafür wurden vom 12. März bis 16. März insgesamt 1.026 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren befragt, die die deutsche Bevölkerung repräsentieren.

Autorinnen und Autoren

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Head of Research Communication

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