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Gangl, K., & Biró, T. (2026). Der Iran-Krieg und seine politökonomischen Folgen in Deutschland. Die Sicht der Konsumentinnen und Konsumenten. NIMpulse 17
2026
Tobias Biró
Der Iran-Krieg und seine politökonomischen Folgen in Deutschland

Hintergrund der Studie
Der militärische Konflikt zwischen Israel/USA und dem Iran hat die weltpolitische Lage fundamental verändert – mit unmittelbaren Konsequenzen für Europa. Insbesondere die steigenden Öl- und Gaspreise belasten die Haushalte und treiben die Kosten für Benzin, Diesel und weitere Energieträger kurzfristig in die Höhe. Sollten die kriegerischen Auseinandersetzungen anhalten, droht langfristig durch steigende Erzeugerpreise eine breite Inflationswelle.
Wie bewerten die Menschen in Deutschland diesen Krieg? Welche wirtschaftlichen Folgen halten sie für wahrscheinlich? Und vor allem: Wie drücken sich Krieg und steigende Energiepreise kurzfristig im Verbraucherverhalten aus?
Die vorliegende Studie des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) liefert Antworten auf diese Fragen. Basis der Analyse ist eine im März 2026 durchgeführte repräsentative Befragung unter Erwachsenen in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen nicht nur das Stimmungsbild einer Nation im Krisenmodus, sondern skizzieren auch die Erwartungen der Bürger an das künftige staatliche Handeln.
Wie beurteilen die Menschen in Deutschland das militärische Vorgehen der USA und Israels gegen den Iran insgesamt?
Die Menschen in Deutschland sind pessimistisch, was die sicherheits-politische Entwicklung der Welt angeht. 74 Prozent der Befragten glauben, dass die Welt in den nächsten Jahren unsicherer wird. Vergleichsweise optimistisch sind Jüngere, Besserverdiener und Menschen mit kleineren Kindern. Wer positiv auf die Entwicklung der Welt blickt, findet das Vorgehen von Israel und den USA mehrheitlich richtig. Ansonsten wird der Einsatz im Iran von der Mehrheit abgelehnt, insbesondere von Personen in den neuen Bundesländern.
Welche Folgen den Konflikts werden erwartet und haben die Menschen ihr Kaufverhalten geändert?
Die Menschen in Deutschland rechnen mit vielfältigen Folgen des Iran-Kriegs. Die meisten Befragten (62%) halten es für wahrscheinlich, dass die Preise durch den Konflikt stärker anziehen werden. Dauerhaft höhere Preise speziell an den Zapfsäulen und für Heizöl bzw. Gas erwarten 60 Prozent. Dass die Golfregion für längere Zeit kein sicheres Reiseziel sein wird, ist für 54 Prozent wahrscheinlich. Mit einer stärkeren Beteiligung der NATO und mit steigender Arbeitslosigkeit rechnet jeweils nur eine Minderheit.
Obwohl die Menschen in Deutschland mit vielfältigen wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs rechnen, haben ihr persönliches Kaufverhalten bislang erst wenige geändert. Wer angibt, bereits beim Konsum zu reagieren, achtet vor allem stärker auf Preise (33%). 19 Prozent geben an, die Lage zu beobachten, weitere 17 Prozent meinen, keine Änderung des Kaufverhaltens zu planen. Lediglich für 8 Prozent ist eine stärkere Hinwendung zu elektrisch betriebenen Autos oder Heizungen aktuell eine Option.
Erwartungen an Staat und Energiepolitik
Vom Staat erwarten die Befragten allerdings schon, dass er für niedrigere Energiepreise sorgt – insgesamt wählen 82 Prozent zumindest eine der staatlichen Maßnahmen und nur 6 Prozent sagen, der Staat soll sich nicht einmischen. Für die meisten Befragten (42%) wäre die bevorzugte Maßnahme, wenn der Staat die Steuern auf Energie senkt. 40 Prozent können sich vorstellen, dass ein staatlicher Maximalpreis auf Energie festgelegt wird. Weniger Unterstützung genießen etwa Direktzahlungen an Bedürftige (15%).
Befragt nach möglichen Maßnahmen zur Deckung des Energiebedarfs in Deutschland befürworten die meisten Befragten (60%) den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien. Auch die Nutzung eigener Gasquellen in der Nordsee wird von einer Mehrheit (53%) unterstützt. Etwa gleich viele Unterstützer wie Gegner haben eine Reaktivierung der Nuklearenergie und die Nutzung von Gasquellen via Fracking. Gas aus Russland wird klar abgelehnt.
Eine Rückkehr der Atomkraft in Deutschland wünschen sich aktuell vor allem Männer (46%), ältere Personen (46%), und Menschen in den neuen Bundesländern (48%). Für Frauen (33%), Jüngere (35%) und Bewohner der alten Bundesländer (37%) ist Atomkraft dagegen viel seltener wünschenswert. Eine Wiederaufnahme des Bezugs von Gas aus Russland ist am ehesten für Jüngere (36%) und Bewohner der neuen Bundesländer (39%) eine gute Option.
KEY INSIGHTS
Die Menschen in Deutschland blicken mit Sorge auf die sicherheitspolitische und wirtschaftliche Entwicklung infolge des Iran-Kriegs. Die große Mehrheit erwartet steigende Preise – nicht nur für Energie, sondern auch im Alltag. Bemerkenswert ist, dass diese Einschätzung bereits kurz nach Beginn des Kriegs ausgesprochen wurde, zu einem Zeitpunkt also, an dem viele professionelle Beobachter noch zu Gelassenheit geraten hatten. Inzwischen deutet sich an, dass die Preissteigerungen tatsächlich breiter auftreten werden – ein Hinweis darauf, dass die Bevölkerung ein bemerkenswert präzises Gespür für Krisen und ihre Folgen hat.
Trotz dieser pessimistisch gefärbten Erwartungen hat die Bevölkerung ihr Kaufverhalten bisher kaum angepasst. Viele Menschen beobachten die Lage weiterhin abwartend; und wer bereits reagiert, tut dies vor allem in Form eines stärkeren Preisbewusstseins. Eine aktivere Hinwendung zu nicht‑fossilen Technologien ist hingegen derzeit noch kaum zu erkennen. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher sehen sich dabei offenbar nicht selbst in der Verantwortung.
Stattdessen erwarten die Menschen vom Staat entschiedenes Handeln. Eine große Mehrheit spricht sich etwa für den schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien aus. Auch die Förderung von Gas aus der Nordsee sowie – in geringerem Umfang – eine Rückkehr zur Atomkraft oder der Einsatz von Fracking finden Zustimmung. Gleichzeitig befürworten viele staatliche Eingriffe zur Senkung der Energiepreise, darunter steuerliche Entlastungen, Preisobergrenzen und die Abschöpfung sogenannter Übergewinne.
Was sich klar abzeichnet: Die Bevölkerung sucht angesichts steigender Energiekosten erkennbar nach pragmatischen Lösungen.
Studie und Fragebogen wurden vom NIM konzipiert. Erhoben wurden die Daten über den NIQ eBUS®. Dafür wurden vom 12. März bis 16. März insgesamt 1.026 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren befragt, die die deutsche Bevölkerung repräsentieren.
Autorinnen und Autoren
- PD Dr. Katharina Gangl, Direktorin Studien, NIM, katharina.gangl@nim.org
- Tobias Biró, Head of Research Communication, NIM, tobias.biro@nim.org
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