Studie
Gangl, K., & Biró, T. (2026). Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie: Die Rückkehr der Konsumlust? Eine repräsentative Ad-hoc-Verbraucher-Befragung in Deutschland im Januar 2026.
2026
Tobias Biró
Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie: Die Rückkehr der Konsumlust?

Die wirtschaftliche Situation der Gastronomie in Deutschland ist seit mehreren Jahren von erheblichen Herausforderungen geprägt. Neben den langfristigen strukturellen Belastungen der Branche wirken sich insbesondere gestiegene Energie-, Lebensmittel- und Personalkosten sowie ein insgesamt gedämpftes Konsumklima negativ auf die wirtschaftliche Stabilität vieler gastronomischer Betriebe aus.
Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung die Mehrwertsteuer auf gastronomische Leistungen zum 1. Januar 2026 gesenkt. Befürworter verbinden damit die Erwartung, Kostensteigerungen abzufedern, Betriebe finanziell zu stabilisieren und zugleich Nachfrage, Beschäftigung und Investitionsbereitschaft zu fördern.
Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) hat die Menschen in Deutschland im Januar 2026 zu ihren Haltungen und Erwartungen im Kontext der Mehrwertsteuersenkung befragt. Mit welchen Folgen rechnen die Befragten? Wie sinnvoll ist die Maßnahme und welche möglichen Effekte auf das Konsumverhalten lassen sich skizzieren?
Wie häufig gehen Menschen auswärts essen und was hindert sie daran, häufiger gastronomische Angebote zu nutzen?
Ca. 60 Prozent der Personen in Deutschland gehen regelmäßig auswärts im Restaurant essen. 38 Prozent gehen etwa ein- bis mehrmals im Monat in ein Speiselokal, 22 Prozent tun dies sogar ein- bis mehrmals pro Woche. Auswärts essen gehen ist insbesondere verbreitet bei Jüngeren, bei Personen mit hohem Einkommen und bei Mehrpersonenhaushalten. Nie in ein Restaurant gehen vor allem Personen mit niedrigem Einkommen (21%).
60 Prozent der Befragten geben an, dass zu hohe Preise sie daran hindert, häufiger in Restaurants, Cafés und Imbissen essen zu gehen. Zu hohe Preise sind v.a. eine Hürde für Personen, die monatlich oder hin und wieder Gastronomieangebote aufsuchen. 35 Prozent der Befragten geben an, dass sie lieber selbst kochen. Weitere Hürden, die dem häufigeren Außer-Haus-Essen im Wege stehen, sind Indifferenz gegenüber Restaurantbesuchen (17%) und zu wenig Zeit im Alltag (17%).
Bekanntheit der Mehrwertsteuersenkung und erwartete Folgen
Fast jede Person in Deutschland hat davon gehört, dass die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie gesenkt wird – 44 Prozent fühlen sich darüber gut informiert, 41 Prozent kennen immerhin die Grundzüge der Maßnahme. Die Bekanntheit der Maßnahme wächst insbesondere mit der eigenen Nutzung gastronomischer Angebote: Je häufiger eine Person Restaurants, Cafés, Imbisse etc. aufsucht, desto besser fühlt sie sich über die Maßnahme informiert.
Eine Mehrheit der befragten Personen (41%) ist der Ansicht, dass die Steuersenkung dabei hilft, die Preise trotz steigender Kosten zu stabilisieren. 38 Prozent sind der Ansicht, die Steuersenkung führe zu steigenden Gewinnen bei Gastronomiebetrieben. An niedrigere Preise für Verbraucher als Folge glauben nur 13 Prozent.
Ausblick auf künftiges Gastronomienutzungsverhalten und Bewertung der Steuersenkung
Etwa jede vierte Person in Deutschland (23%) meint, künftig häufiger gastronomische Angebote vor Ort zu nutzen. 41 Prozent sind hier unentschieden und 36 Prozent halten den häufigeren Gastronomiebesuch für unwahrscheinlich. Insbesondere Jüngere, Personen mit hohem Einkommen und solche, die bereits häufig auswärts essen, möchten künftig häufiger im Restaurant essen.
Etwa jede dritte Person in Deutschland (29%) ist der Ansicht, dass die Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie eine sinnvolle Investition ist. 26 Prozent meinen, dass das Geld hierbei nicht sinnvoll eingesetzt ist. Befürworter der Steuersenkung sind insbesondere Jüngere, Personen mit hohem Einkommen und solche, die aktuell häufig Gastronomieangebote aufsuchen. Besonders kritisch sind hingegen Personen zwischen 60 und 74 Jahren, hier finden 38 Prozent das Geld nicht sinnvoll eingesetzt.
Im Bundesländervergleich finden insbesondere Personen im Nordosten (Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt), dass die Steuersenkung in der Gastronomie ein sinnvolles Investment ist. Vor allem Menschen in Großstädten wie Berlin haben eine positive Meinung. Besonders kritisch sind Personen in Bayern. Hier sind mit 35 Prozent vergleichsweise viele der Ansicht, dass das Geld in der Steuersenkung nicht sinnvoll eingesetzt ist.
KEY INSIGHTS
- Die Befragung zeichnet ein insgesamt nüchtern-positives Bild der Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie. In etwa gleich viele Befragte erwarten geringfügige Vorteile für sich selbst in Form stabiler Preise wie Vorteile für die Betriebe durch verbesserte Ertragslagen. Überraschenderweise wird die Maßnahme – trotz verbreiteter fachlicher Skepsis hinsichtlich ihrer gesamtwirtschaftlichen Wirkung –mehrheitlich überwiegend indifferent bis eher positiv beurteilt.
- Die Zustimmung steigt mit der Häufigkeit der Nutzung gastronomischer Angebote, ohne dass Personen mit geringer Nutzung die Steuersenkung signifikant stärker ablehnen. Dies spricht für eine grundsätzlich positive Haltung gegenüber Steuersenkungen, auch unabhängig vom unmittelbaren Eigennutzen.
- Für die Branche deutet die Befragung vorsichtige Hoffnungssignale an: 23 Prozent der Befragten planen, künftig häufiger gastronomische Angebote zu nutzen. Da jedoch gleichzeitig keine spürbaren Preisrückgänge erwartet werden, ist davon auszugehen, dass diese Entwicklung nur begrenzt auf die Mehrwertsteuersenkung selbst zurückzuführen ist.
Studie und Fragebogen wurden vom NIM konzipiert. Erhoben wurden die Daten über den NIQ eBUS®. Dafür wurden 1.010 erwachsene Personen befragt, die die Bevölkerung repräsentieren. Die Befragung wurde Anfang Januar 2026 durchgeführt.
Autorinnen und Autoren
- PD Dr. Katharina Gangl, Direktorin Studien, NIM, katharina.gangl@nim.org
- Tobias Biró, Head of Research Communication, NIM, tobias.biro@nim.org
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