Darf Nachhaltigkeit kosten? Wie Transparenz auf dem Kassenbon über Vertrauen entscheidet
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Goenka, S. (2026). Pricing Sustainability Without Backlash: Why One Line on the Receipt Can Make or Break Consumer Trust. NIM Marketing Intelligence Review, 18(2), 36-41. https://doi.org/10.2478/nimmir-2026-0015

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NIM Marketing Intelligence Review – Nachhaltige Nachhaltigkeit: Was wirkt. was scheitert, was kommt

Darf Nachhaltigkeit kosten? Wie Transparenz auf dem Kassenbon über Vertrauen entscheidet

Nachhaltigkeitspreise Nachhaltigkeitsaufschläge

Autorinnen und Autoren

  • Shreyans Goenka, Assistant Professor of Marketing, Pamplin College of Business Virginia Tech
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Über Branchen hinweg integrieren Unternehmen zunehmend soziale und ökologische Aspekte in ihre Preisstrukturen. Airlines bieten CO₂-Kompensationsprogramme an, Händler ermöglichen klimaneutrale Lieferoptionen und Gastronomiebetriebe führen Living-Wage-Zuschläge zur fairen Bezahlung ihrer Mitarbeitenden ein. Diese Entwicklungen spiegeln den Wandel hin zu verantwortungsvollem Wirtschaften wider und entsprechen den steigenden Erwartungen von Konsumenten an nachhaltige Unternehmensführung.

Höhere Kosten für Nachhaltigkeit stoßen nicht immer auf Akzeptanz

Trotz dieser Entwicklung reagieren Kunden häufig kritisch, wenn Unternehmen explizite Zuschläge für Nachhaltigkeitsmaßnahmen erheben. Fluggesellschaften sind mit Beschwerden über CO₂-Gebühren konfrontiert, Händler erleben Widerstand bei Umweltaufschlägen im Checkout und Restaurants geraten wegen Zusatzgebühren für Mitarbeiterwohl in die Kritik. Gleichzeitig gelingt es anderen Unternehmen, vergleichbare Kosten ohne negative Folgen in ihre Preise zu integrieren. So haben beispielsweise die Chipotle-Restaurants ihre Menüpreise ohne nennenswerten Widerstand erhöht, um höhere Löhne für ihre Mitarbeiter zu finanzieren. Das wirft eine zentrale Frage auf: Warum führen Nachhaltigkeitskosten manchmal zu Ablehnung – und werden in anderen Fällen akzeptiert? Der entscheidende Unterschied liegt in der Art und Weise, wie diese Kosten kommuniziert und dargestellt werden.

Die Lücke zwischen Haltung und Verhalten

Konsumenten erwarten zunehmend verantwortungsvolles Handeln von Unternehmen. In der Praxis zeigt sich jedoch ein Widerspruch: Grundsätzliche Zustimmung zu Nachhaltigkeit bedeutet nicht automatisch Zahlungsbereitschaft – insbesondere dann, wenn Konsumenten das Gefühl haben, die Verantwortung werde auf sie abgewälzt.
Explizit auf dem Kassenbon ausgewiesene Nachhaltigkeitszuschläge werden häufig nicht nur als Kosten, sondern als Antwort auf die Frage, wer für die Kosten verantwortlich ist, bewertet. Da Konsumenten primär die Unternehmen in der Pflicht sehen, nachhaltige Lösungen bereitzustellen, entsteht bei separaten Zuschlägen schnell der Eindruck, man wolle sich dieser Verantwortung entziehen und sie auf die Käufer abwälzen. Die Berücksichtigung dieser psychologischen Dynamik ist entscheidend für die Gestaltung wirksamer Preisstrategien für nachhaltige Leistungen.

Zwei Preismodelle – unterschiedliche Wirkung

Unternehmen nutzen in der Regel zwei Ansätze zur Integration von Nachhaltigkeitskosten: Partitioned Pricing, also separat ausgewiesene Zuschläge, und All-inclusive Pricing in Form integrierter Gesamtpreise (siehe Abbildung 1). Obwohl beide Formate dieselben Kosten abbilden, erzeugen sie unterschiedliche Kundenreaktionen. In mehreren experimentellen Studien (siehe Box 1), in denen CO2-Ausgleichsgebühren, Fair-Trade-Aufschläge und Aufschläge für existenzsichernde Löhne untersucht wurden, konnten wir zeigen: All-inclusive Pricing führt konsistent zu höherer Kaufbereitschaft, positiverer Markenwahrnehmung und größerer Offenheit gegenüber Marketingmaßnahmen. Partitioned Pricing hingegen senkt die Kaufbereitschaft und erhöht Skepsis. Das wirkt zunächst paradox: Transparenz sollte eigentlich nachhaltiges Handeln erleichtern und Vertrauen schaffen. Warum wirkt sie nicht wie vermutet? Tatsächlich ist nicht die Information selbst entscheidend, sondern deren Interpretation.

Warum separate Zuschläge Vertrauen untergraben

Werden Nachhaltigkeitskosten separat ausgewiesen, interpretieren Konsumenten dies häufig als Signal, dass das Unternehmen Verantwortung für soziale oder ökologische Initiativen auf sie überträgt. Diese Wahrnehmung geht über den Preis hinaus und betrifft die dem Unternehmen unterstellten Motive. Eine eigene Position auf der Rechnung suggeriert: Das Unternehmen möchte seine Nachhaltigkeitsaktivitäten sichtbar machen, ist aber nicht bereit, die Kosten selbst zu tragen. Anstatt den Zuschlag als Akt der Transparenz zu betrachten, sehen Konsumenten ihn als Beweis dafür, dass das Unternehmen Reputationsvorteile anstrebt, ohne entsprechend intern zu investieren. Die Folgen sind sinkendes Vertrauen, Zweifel an der Authentizität des Unternehmens in seinem Engagement für die Sache und geringere Kaufbereitschaft – selbst bei nachhaltigkeitsaffinen Zielgruppen. Im Gegensatz dazu vermeidet All-inclusive Pricing diese Interpretation. Werden Kosten integriert, entsteht eher der Eindruck geteilter Verantwortung und ernsthaften Commitments – was die Glaubwürdigkeit stärkt.

Wann separate Zuschläge funktionieren

Nicht jeder Zuschlag wird negativ bewertet und aus der Verantwortlichkeitsperspektive interpretiert. Partitioned Pricing wird zum Beispiel akzeptiert, wenn die zusätzliche Gebühr darauf abzielt, unerwünschtes Verhalten zu reduzieren. Beispiele dafür wären ein Zuschlag bei besonders fetthaltigen Nahrungsmitteln oder stark gezuckerten Limonaden, eine Maut bei Verkehrsüberlastung oder eine Gebühr für Plastiktüten. Hier sehen Konsumenten den Zuschlag als Steuerungsinstrument – und halten es für angemessen, die Kosten selbst zu tragen. Problematisch wird es insbesondere dann, wenn Zuschläge pro-soziale oder ökologische Maßnahmen finanzieren sollen – Bereiche, in denen Konsumenten die Hauptverantwortung bei Unternehmen sehen.

Empfehlung: Setzen Sie auf integrierte Preise

All-inclusive Pricing ist in den meisten Fällen die effektivere Strategie. Sie vermeidet den Eindruck von Verantwortungsabwälzung und lenkt die Aufmerksamkeit nicht auf Zusatzkosten. Dieses Format stärkt die Wahrnehmung von Fairness und fördert die Akzeptanz bei Kunden. Nachhaltigkeitsleistungen können weiterhin kommuniziert werden – etwa über Produktinformationen, Verpackung oder Marketing –, ohne sie als separate Kosten auszuweisen. Das Signal ist dann klar: Unternehmen betrachten Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil ihres Wertversprechens und nicht als zusätzliche Belastung für die Konsumenten.

 

Wenn die geteilte Preisauszeichnung unvermeidbar ist, setzen Sie auf begleitende Kommunikation

Regulatorische Vorgaben oder Branchenstandards können eine getrennte Darstellung einzelner Kosten erforderlich machen. In diesen Fällen hilft eine gezielte Kommunikationsstrategie. Drei Argumentationslinien haben sich als wirksam erwiesen, um die Reaktionen der Konsumenten zu verbessern.


> Betonen Sie den eigenen Beitrag 

Kunden reagieren positiver, wenn sie wissen, dass das Unternehmen ebenfalls in die Sache investiert und nicht nur der Kunde zahlt. 


> Machen Sie deutlich, wohin der Zuschlag fließt 

Die Erklärung, dass die Mittel einen bestimmten externen Partner oder eine zertifizierte Organisation unterstützen, stärkt das Vertrauen und verringert Skepsis.


> Stellen Sie den Nutzen des Zuschlags in den Vordergrund

Formulierungen, die die positive Wirkung zusätzlicher Beiträge für Gesellschaft und Umwelt hervorheben, verringern das Gefühl aufgezwungener Kosten.

Diese Maßnahmen reduzieren negative Effekt erheblich, eliminieren aber nicht alle Herausforderungen.

Nachhaltigkeitspricing ist auch Kommunikation

Nachhaltige Angebote werden heute vielfach erwartet, und Unternehmen aller Branchen investieren zunehmend in soziale und ökologische Initiativen – doch die Preisgestaltung entscheidet maßgeblich über die Kundenreaktion. Separat ausgewiesene Zuschläge wirken zwar transparent, senden jedoch oft das falsche Signal: Verantwortungsabwälzung. Das schwächt Vertrauen und Kaufbereitschaft. Integrierte Preise vermitteln hingegen gemeinsame Verantwortung und glaubwürdiges Engagement. Für Entscheider bedeutet das: Nachhaltigkeitspreise sind nicht nur eine finanzielle Entscheidung, sondern eine strategische Kommunikationsentscheidung. Wer Pricing ganzheitlich denkt, kann Nachhaltigkeitsziele vorantreiben, ohne Kundenvertrauen zu riskieren – und stärkt damit gleichzeitig die Markenintegrität.

FURTHER READING

Goenka, S., & Bagchi, R. (2025). Price partitioning of socio-moral surcharges. Journal of Consumer Research, 51(5), 873–895. https://doi.org/10.1093/jcr/ucae026

Nugent, C. (2021). Amsterdam is embracing a radical new economic theory to help save the environment. Could it also replace capitalism? Time. https://rockspire.com/wp-content/uploads/2021/02/Amsterdam-Ecomomics.pdf

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  • Shreyans Goenka, Assistant Professor of Marketing, Pamplin College of Business Virginia Tech
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Goenka, S. (2026). Pricing Sustainability Without Backlash: Why One Line on the Receipt Can Make or Break Consumer Trust. NIM Marketing Intelligence Review, 18(2), 36-41. https://doi.org/10.2478/nimmir-2026-0015



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